Vielleicht gibt es ja Hamburger LeserInnen dieser Seiten, die an einem Vortrag in Jan Philipp Reemstma’s Institut für Sozialforschung im Mittelweg Interesse haben:
Vortragsreihe: Prekarität. Antworten auf neue gesellschaftspolitische Fragen
Sigrid Betzelt: Sind Frauen die Verliererinnen der ‚Hartz IV’-Reform?
4. Februar 2009
In der öffentlichen und wissenschaftlichen Diskussion um die Wirkungen von „Hartz IV“ werden Geschlechterfragen nur selten thematisiert. Verfechter wie Kritiker der Arbeitsmarktreform gehen entweder von gleichermaßen positiven Wirkungen für Männer wie Frauen hinsichtlich verbesserter Arbeitsmarktintegration und sozialer Unterstützung, oder im Gegenteil von geschlechtsneutralen negativen Effekten wie verstärkter Prekarisierung und ungenügender individueller Förderung, aus. Eine differenziertere Betrachtung der deutschen arbeitsmarktpolitischen „Aktivierungsstrategie“ zeigt, dass diese keineswegs geschlechtsneutral ist und zudem weitreichende Implikationen für die gesellschaftliche Legitimität privater Lebensformen und für persönliche Freiheiten der betroffenen Bevölkerung hat. Die entsprechenden gesetzlichen Regelungen beinhalten widersprüchliche Familien- und Geschlechterleitbilder zwischen einer Fortschreibung traditioneller familialer Arbeitsteilung einerseits und der Einforderung einer vollständigen Erwerbspflicht für Alle andererseits. Diese Widersprüchlichkeiten setzen sich in der Umsetzungspraxis von Hartz IV fort, wobei bestehende Geschlechterungleichheiten eher zunehmen als ausgeglichen zu werden. Dennoch lässt sich nicht pauschal sagen, dass Frauen die Verliererinnen sind, auch wenn vieles auf eine fortgesetzte Benachteiligung bestimmter Gruppen von Frauen hinweist. Verschärfte familiale Einstandspflichten und persönliche Abhängigkeiten schaffen neue Risiken für Familien und Haushalte, ohne wirksam gegen ‚alte’ Risiken wie Arbeitslosigkeit abzusichern. Mit den Hartz-Reformen werden prekäre Beschäftigungsverhältnisse ausgeweitet, was zu einer „Feminisierung“ der Arbeitsverhältnisse für Männer führt.
Dr. Sigrid Betzelt, Soziologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen
Moderation: Birte Hellmig, Ass. jur., Juristin, Stipendiatin im Arbeitsbereich „Die Gesellschaft der Bundesrepublik“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung
Beginn: 20 Uhr (Einlass ab 19.30 Uhr)
Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36
Eintritt: frei
Werte Frau Betzelt,
Soziologie kann ja mitunter sehr erhellend sein, insonderheit wenn sie Strukturen herausarbeitet. Aber die Frage in ihrer Themenstellung ist irreführend: Bei Hartz-IV gibt es nur Verlierer, egal ob sie männlich oder weiblich sind. Wolfgang Clement hat nicht nur männliche Hartz-IV-Empfänger Parasiten genannt. Hartz IV hat das Klima in dieser Republik sehr verändert, die soziale Kälte hat enorm zugenommen – Menschen, die noch Arbeit haben, sind durch das nicht-existenz-deckende Niveau von Hartz IV erpressbar geworden. Hartz IV ist der schwarze Mann nicht nur für kleine Kinder.
Mehr schreibe ich zu dieser späten Stunde nicht.
Gute Nacht!
Nachtrag einen Tag später:
Werte Frau Betzelt,
wenn in einem Fußballspiel, sagen wir, Bayern gegen den HSV, Bayern drei Tore schießt, alle ins rechte Eck, wenn es also am Ende 3 : 0 für Bayern steht, dann hat nicht das rechte Eck, auch nicht das rechte Eck vom HSV, sondern da hat der HSV, da hat die ganze Mannschaft verloren – und ein Teil der HSV-Fans geht vielleicht weinend nach Hause.

0 Antworten so far ↓
Bisher gibt es keine Kommentare. Bitte anmelden/registrieren und danach Kommentar eingeben.
You must log in to post a comment.