Notizen aus der Unterwelt

Der kritische Blog von Klaus Baum

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Noch einmal zum Thema: Große monopolartige Regionalzeitung zahlt kein Honorar

März 3rd, 2009 · 3 Kommentare · Beitrag drucken Beitrag drucken

Freunde, die es gut mit mir meinen, riefen mich an, mailten mir, ich solle mich nicht zu weit aus dem Fenster hängen, obwohl ich doch nur in Parterre wohne.

Sie sind beunruhigt, weil ich an der hiesigen Zeitungsmacht kritisiere, daß sie mir für die Veröffentlichung eines Fotos bisher kein Honorar zahlte. Nun, ich habe geduldig 8 Monate gewartet, bis ich eine Rechnung letztes Jahr vor Weihnachten geschrieben habe. Dann habe ich noch einmal zwei Monate gewartet. Was sollte ich jetzt tun? Den Frust in mich hineinfressen. Nein, ich wehre mich, indem ich es im Rahmen einer begrenzten Internetleserschaft öffentlich mache.

Mit Anschwärzen hat das nichts zu tun, ich führe auch keinen privaten Kampf gegen diese Zeitung, sondern ich verstehe dies als einen exemplarischen Fall, daß immer mehr Presseorgane versuchen, sich auf billigste Weise Texte und Fotos zu beschaffen. Auch mit Verleumdung hat das nichts zu tun, da die Veröffentlichung meines Fotos im April 2008 jederzeit überprüft werden kann.

Das, was mir der Admin der fotocommunity unterstellt oder was er in mein Öffentlichmachen dort hineininterpretiert, ist pure Projektion, da ich sehr wohl zwischen einer Verleumdung und der Kundgabe einer Tatsache unterscheiden kann.

Was mich beunruhigt, sind nicht so sehr irgendwelche negativen Konsequenzen für meine Person, sondern dasjenige, was wir mittlerweile hinzunehmen bereit sind.

Wenn “rechskonform” sein soll “keine Namen von Personen – auch nicht von juristischen Personen -” zu nennen, wenn öffentlich kritisiert wird, dann können wir den Laden namens Demokratie schließen, einen Laden, der ohnehin nur noch in seltenen Augenblicken geöffnet hat.

Mit der Begründung, mit der der Admin mein Foto in der fotocommunity für die Öffentlichkeit unzugänglich gemacht hat, könnte er auch, wäre er Admin beim ZDF, “Neues aus der Anstalt” schließen. Dort werden ständig Namen genannt.

Es wäre fatal, wenn man nur noch im Allgemeinen redete: die Politiker, die Staatsführer, die Firmen, die Banken, die Arbeitslosen, die Presse, wenn man also weder Roß noch Reiter benennen würde.

Wenn ich eine Tatsache öffentlich mache, hat das weder mit Ehrverletzung und übler Nachrede noch mit Verleumdung etwas zu tun.

Diesem Admin ist offenbar nicht bewußt, daß er andere bevormundet beziehungsweise sie entmündigt, indem er ihnen unterstellt, sie könnten zwischen einer Tatsachenbehauptung und einer Verleumdung nicht unterscheiden.

Was mich also beunruhigt, um es noch einmal zu betonen, ist jene Auffassung des Admins von Rechtskonformität, die auf Namenlosigkeit hin zuläuft. Dann klagen wir das Schicksal an, den Zufall, die Fatalität des Weltgeschehens. Zurück zum Jargon der Eigentlichkeit und den anonymen Mächten.

Tags: Alltägliches

3 Antworten so far ↓

  • 1 aebby // Mrz 4, 2009 at 7:32 am

    Ich glaube das eigentliche Problem ist ein noch viel Schlimmeres. Diese “Namenlosigkeit” wird dann wichtig, wenn der namentlich genannte über deutlich mehr Geld und Macht verfügt als das “Opfer”. Das ist ein Kennzeichen einer Klassenjustiz. der Kleine darf den Großen nicht anklagen, umgekehrt geht das schon und wird auch als korrekt empfunden. Die FC Administration reagiert da gemäß dieses verinnerleichten Ungleichgewichts. Wenn ein FC User ein Bild einer großen Zeitung oder Agentur geklaut hätte und es für seines ausgegeben hätte, gäbe es diese Vorbehalte möglicherweise nicht, dann würden Ross und Reiter genannt werden dürfen.

  • 2 Wolfgang // Mrz 4, 2009 at 12:33 pm

    Hallo Klaus,

    warum beschreitest Du nicht den normalen Weg für solche Fälle? Rechnung -> wenn Du willst, Mahnung -> Mahnbescheid. Auf letzteren muss der Schuldner reagieren – und tut das auch im allgemeinen durch Zahlung, wenn die Forderung klar belegbar ist.

    Hier einen öffentlichen Pranger aufzustellen ist mMn weder zielführend noch moralisch vertretbar. Dass der FC-Admin Dein Bild + Kommentar verschoben hat, hat vermutlich nichts mit “Schere im Kopf” zu tun, sondern einfach damit, dass er auf den Seiten der FC keinen solchen Pranger duldet. Und ich denke, da tut er gut daran.

    Grüße
    Wolfgang

  • 3 phlebas // Mrz 5, 2009 at 2:19 am

    Was den „Pranger“ angeht: Schön wäre es ja, die Hässliche-Niederträchtige-Allgemeine ließe sich an den Pranger stellen – was allerdings keine moralische Angelegenheit wäre, sondern eher – ich übertreibe und verzerre stark – unter Verbrechensaufklärung laufen dürfte (womit ich nicht die unbezahlte Rechnung meine) – nebenbei: Hans Wollschläger hat zum Thema schlecht bezahlte „Kulturproduktion“ Ende der 80er schon hübsche Sätze formuliert, da ging es u.a. um eine Abdruckerlaubnis gegen Belegexemplar (zu finden in „In diesen geistfernen Zeiten“, Haffmans TB 1988) —
    Meines Erachtens ist die Aktion des Admins zunächst irgendwo zwischen vorauseilendem Gehorsam und berufs- oder tätigkeitsbedingter Vorsicht einzuordnen. Abmahnungen und Sperrungen mit fadenscheinigen Begründungen zu fürchten hat nicht unbedingt mit „Schere im Kopf“ zu tun. Vorstellbar, dass der Chef des Kasseler Verlagshauses Dingsda einen schlechten Tag hat, das Ostergeschenk für den Zeitungszusteller spart und mal seinem Anwalt ein paar Extrastunden spendiert. Die Frage bewußter oder nicht bewußter Bevormundung bzw. Unterstellung, die Leser/Betrachter könnten nicht zwischen Tatsachenbehauptung und Verleumdung unterscheiden, läßt sich m.E. gar nicht stellen– vielmehr geht es darum, dass die Definitionsmacht über diese Unterscheidung im Internet (noch ?) nicht so gesichert ist wie beispielsweise in den Printmedien. (Die Hässliche-Niederträchtige-Allgemeine ist hier ein schlechtes Beispiel, mangels Substanz oder Profil wirkt sie eher als eine Art Nebelwerfer.) Der Admin befindet sich „zwischen den Fronten“, den Interessen der Nutzer an der Möglichkeit, Dinge und Personen beim Namen nennen zu dürfen auf der einen Seite, den möglichen Geschäfts-, Macht- oder PR-Interessen auf der anderen Seite.
    Allerdings ist da mindestens noch die dritte Seite: Die tatsächliche Schwierigkeit, Tatsache und Verleumdung unterscheiden zu können – wobei die Besonderheit der massenmedialen Öffentlichkeit im Internet darin besteht, dass diese Schwierigkeit deutlicher wird (vielleicht im doppelten Sinne: deutlich schwieriger und deutlicher als Schwierigkeit erkennbar).
    Insofern bedeutet für den Admin rechtskonform nichts anderes als: sich auf die sichere Seite bewegen, keine Schwierigkeiten aufkommen lassen. Oder, positiv gewendet: die Nutzer vor möglichen Angriffen der Definitionsmacht schützen bzw. die Nutzer vor sich selbst schützen
    — nun gut, das war jetzt nicht richtig positiv, vielleicht: alle möglichen Nutzer oder Leser oder Betrachter (wie auch sich selbst) konsequent vor den möglichen Konsequenzen von Äußerungen in der Öffentlichkeit schützen, indem jede Bezugnahme auf Gegenstände oder Personen (natürliche oder juristische) gelöscht wird, nicht zuletzt, um auch diesen Gegenständen oder Personen (natürlichen wie juristischen) den größtmöglichen Schutz vor potentiell verleumderischen oder ehrverletzenden Äußerungen angedeihen zu lassen.
    Die Technikgläubigen meinen, das Internet wird für Angriffe der bisherigen Definitionsmacht stets noch einen technischen Ausweg finden (Verschieben der Inhalte etwa zwecks Erhaltung der Öffentlichkeit) – einen technischen Ausweg hat auch der Admin gefunden: Professioneller Pragmatismus mit digitaler 1:0-Moral.
    OT:
    Ich gucke jetzt The Wire. „Prez“ Pryzbylewski sprach in der Folge gestern: „No one wins. One side just loses more slowly.“

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