Weil sie Geld, viel Geld scheffeln konnten, haben sie sich für den Nabel der Welt gehalten. Dabei bildeten und bilden sie nur eine entmenschte Parallelwelt, die das Streben nach Status und Status-Symbolen mit dem Leben verwechselt(e).
Hier ein Auszug aus der Sendung:
>>Amanda Falkson ((eine Psychoanalytikerin, die eine Praxis im Barbican betreibt)) hat auch eine Handvoll älterer Klienten. Allesamt Internats geschädigt, erzählt die Therapeutin. Viele wurden schon mit 7, 8 Jahren ins Internat gesteckt. Dort mussten sie sich durchkämpfen, unter dem Motto: nur keine Schwäche zeigen. Lieber andere mobben, als gemobbt werden. Ihre Überlebensstrategie bestand darin, dass sie eine Scheinpersönlichkeit konstruierten, während sie innerlich verbluteten.
((Amanda Falkson sagt:))
“Die City ist voller solcher Menschen: sie sind narzisstisch verletzt, verwundete Einzelkämpfer, die gar nicht mehr wissen, was es heißt, authentisch zu handeln. Sie verbergen ihre Unsicherheit hinter einer Maske, die sie ihr Leben lang nicht mehr ablegen. Sie leben und arbeiten in einer selbst fabrizierten Blase, und haben den emotionalen Bezug zur Realität, zu ihrer Familie, zu ihren Mitmenschen verloren.”<<
Bye-Bye Square Mile
Der Niedergang des Londoner Finanzviertels
Mit Reportagen von Ruth Rach
Gesetzte Gentlemen mit Schirm, Charme und Melone? In der Londoner City sind sie längst verdrängt worden. Von jungen dreisten Bankern ist die Rede, die das Finanzviertel als Großkasino betrachteten.
“Für uns Cityboys war der Markt wie ein wildes Pferd, das man reiten musste, bis es einen abwirft. Eigentlich kannten wir nur zwei Emotionen: Angst und Gier.”
Das sind die Worte eines jungen Cityanalysten, der im Alter von 35 Jahren in den Ruhestand ging und all die Finessen seiner Ex-Kollegen in einem Schlüsselroman bloßstellte. Nun ist die Spekulationsblase geplatzt. Mit der britischen Wirtschaft geht es bergab. Und dabei war die Krise absehbar. Zumindest ein alter Banker hatte das Debakel vorausgesagt.<<
Mehr:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/gesichtereuropas/925344/
Anm.: Notwendige und “erste” Analyse eines Menschentyps, den der Neoliberalismus hervorgebracht und gefördert hat. Und nur, weil diese “Zombies” Kohle bis zum geht nicht mehr gescheffelt haben, und zwar in erster Linie für sich selbst, sollen sie als Typ das Paradigma des Menschseins schlechthin verkörpern. Irrwitzig. Es gibt in Erwin Leisers Film über das 3. Reich eine Szene, in der er das Nazi-Ideal des Menschen, also das Ideal-Bild mit dem Real-Bild vergleicht. Das Real-Bild zeigt stumpfe, brutale Gesichter. Leisers Kommentar: So sieht der Herrenmensch aus.
Diese Banker bilden gleichsam die Leitzentrale des Casino-Kapitalismus, in dem die Arbeitslosen zur Dispositionsmasse degradiert werden, die nach Möglichkeit so wenig wie möglich kosten dürfen. Arbeitslose sind der überflüssige Wurmfortsatz des Casino-Spiels.

2 Antworten so far ↓
1 Eine (mikrologische) Beobachtung: Noch einmal zur Sendung des Deutschlandfunk über die Banker in der City of London. // Mrz 7, 2009 at 11:13 pm
[...] http://klaus-baum.webinformation.de/2009/03/07/sehr-gute-sendung [...]
2 aebby // Mrz 8, 2009 at 7:09 am
und ganz klammheimlich sind die im Sattel sitzenden Cityboys zu den Helden der Consumentis Kultur geworden … Danke für den Link
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