Notizen aus der Unterwelt

Der kritische Blog von Klaus Baum

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Wird der Begriff des Ausbeuters für Unternehmer wieder aktuell? Authentischer Bericht auf Geheimrätins Blog.

September 10th, 2009 · 1 Kommentar · Beitrag drucken Beitrag drucken

Eines der wesentlichen Merkmale politischer Propaganda,  die vor allem von Wirtschaftsunternehmen beziehungsweise -verbänden im großen Stil betrieben wird, besteht in generalisierenden Aussagen, das heißt darin, die einzelmenschliche Erfahrung zum Verschwinden zu bringen. Eines der aktuellen Beispiele hat dieser bösartige Guido Westerwelle mal wieder geliefert, als er lautstark den Medien bezüglich der Hartz-IV-Empfänger zuposaunte, es gebe kein Recht auf Faulheit. Solche Generalisierung bringt zum Beispiel die Ängste, Tränen, schlaflosen Nächte all jener zum Verschwinden, die Opfer von Entlassungen, Massenentlassungen und Werksschließungen waren. Zu erinnern ist nur an NOKIA. Die Medien bringen das zwar als Nachricht, weil solche Ereignisse sich nicht gänzlich verschweigen lassen, aber sie ignorieren die wirklich konkreten, authentischen Erfahrungen (ein Pleonasmus). Historisch gesehen, da die Welt ja nicht nur aus einem gut situierten Bürgertum besteht, repräsentiert der Roman “Anton Reiser” von Karl Philipp Moritz solche Authentizität der Erfahrungen und des Werdeganges eines Unterschichtenkindes aus dem 18. Jahrhundert. (Siehe dazu meinen Essay über Moritz auf diesem Blog: essays-zur-literatur/karl-philipp-moritz/)

Die Nachdenkseiten sprechen von Gegenöffentlichkeit, wenn sie Aufklärung unter anderem durch Blogs meinen, eine Aufklärung gegen die tägliche Überdosis an Tatsachenverdrehungen, Lügen und Meinungsmanipulationen. Erfahrungsberichte, die konkrete Schilderung einzelner Erfahrungen gehören dazu: Sie sind das Gegengift gegen die niederträchtigen, bösartigen Propagandalügen der Politik, des Instituts für Neue Asoziale Diktaturwirtschaft (INSM), der Bertelsmannstiftung usw.

Geheimrätin hat gestern einen Bericht darüber veröffentlicht, was sie in der Arbeitswelt unter anderem erlebt hat:

>>Was passieren kann, wenn Mensch seine Wut in sich hineinfrisst, alles hinnimmt was man ihm an Demütigung zukommen lässt, sich nie gegen Ungerechtigkeiten wehrt sondern alles mitmacht, zu allem ein freundliches Gesicht aufsetzt und aus allem was man ihm serviert das Beste zu machen bestrebt ist, erlebte ich hautnah,  in einer Firma,  für die ich kurz vor meiner Selbstständigkeit gearbeitet habe.

Es war eine Möbelfirma aus Österreich und der oberste Chef hatte große Ambitionen, er wollte mit seinem UnternehmenErster sein, Sieger und  Markt-Führer.

Diese Firma eröffnete eine neue Filliale hier in unserer Gegend und ich bewarb mich, weil mein letzter job eine Saisontätigkeit war und ich nun natürlich auf der Suche nach einer Festanstellung war. Da ich vom Fach war und schon früher Möbel und Einrichtungsgegenstände verkauft hatte, wurde ich eingestellt.  Ich erfuhr, dass die Belegschaft größtenteils aus vom Arbeitsamt subventionierten Arbeitskräften zusammengestellt wurde, sprich, das Arbeitsamt bezahlte das Gehalt für einen Großteil der Belegschaft für die Dauer der 6-monatigen Probezeit.

Die Filliale sollte im Oktober eröffnet werden und wir mussten also bis dahin mit dem Einlagern, Einrichten, Aufbauen, Auspacken, Auszeichnen, Verbuchen etc ppp.. fertig sein. Wir schufteten in staubigen, halbfertigen Räumen, es gab noch keine Toilleten oder sanitäre Anlagen und wer im 4. oder 5. Stock arbeiten musste, der durfte eben  nicht soviel trinken,  wenn er es vemeiden wollte, immer wieder über das halbfertige Treppenhaus zu den Dixytoiletten, die draußen aufgebaut waren, hinab und wieder hochsteigen zu müssen.  Es wurde also geschuftet und ordentlich Überstunden gemacht, die aber nur Mehrstunden waren, denn wir hatten größtenteils Teilzeitverträge.

Wir klotzten also was das Zeug hielt und ich träumte nachts noch von Kartons und Dreck und Staub, schreckte sogar oftmals aus dem Schlaf und sah gestapelte Kisten und Kartons in meinem Schlafzimmer stehen.

Wir schafften es dann auch und die Filliale konnte termingerecht eröffnet werden. Es war ein großes Fest und der oberste Chef ließ sich mit einer Siegerhymne feiern, er der künftige Markt-Führer,  der es seinen  Konkurenten aus Schweden, Dänemark und Italien bald so richtig zeigen würde!<<

Mehr, das heißt zur Schilderung der noch nicht erwähnten Schweinereien siehe hier:

sozial-ist-was-arbeit-schafft-bis-dass-der-tot-uns-scheidet

Die Frage, die sich mir nach dem Lesen aufdrängte, war folgende: Ist das Arbeitsamt, spätestens seit Hartz IV, zu einer kriminellen Vereinigung geworden, die der Ausnutzung, Vernutzung, Benutzung und Ausbeutung des Menschen zuarbeitet?

Tags: Alltägliches

1 Antwort so far ↓

  • 1 geheimraetin // Sep 10, 2009 at 4:25 pm

    ich poste hier mal meinen eigenen Kommentar, den ich eben bei mir eingefügt habe:

    …die pausenlose Beschallung mit immer derselben Musik (in jedem Lied ging es um money money money) kann m. E. tatsächlich als eine Form von Gehirnwäsche bezeichnet werden und durch die angebliche Notwendigkeit, die sich aus der fortsetzenden personellen „Verschlankung“ ergab, ständig Mehr-und Überstunden leisten zu müssen, blieb einem sogut wie kein Privatleben mehr. Am Abend war man so fertig, dass man nur noch halbtot ins Bett fiel oder seinen Freunden, wenn man es noch schaffte sich hin und wieder mit ihnen auf ein Feierabendbierchen zu treffen, mit seinem traumatiserten Gequatsche aus dem Geschäftsalltag derartig auf die Neven fiel, dass diese sich nur noch abwenden wollten. M.E. hat diese Praxis Methode und erinnert an jene altbekannter Wirtschaftssekten aus Amerika, die auch hierzulande aktiv im Gesellschaftlichen und Geschäftlichen Leben mitmischen. Ich möchte damit nicht behaupten, dass diese Wirtschaftssekten hier tatsächlich irgendeinen Einfluss hätten, lediglich auf Parallelen hinweisen.

    Ps. meine Erfahrung liegt ja schon einige Jahre zurück und ich habe nie wieder einen Fuss in eines dieser Geschäfte gesetzt, daher kann ich nicht sagen, ob sich an den dortigen Zuständen heute irgendetwas geändert hat.

    und ergänze ich noch um folgendes:
    Auch mit den Abteilungsleitern wurde nicht besser umgesprungen als mit ihren Mitarbeitern, natürlich wurden auch ihnen täglich Umsatzziele vorgegeben, die sie zu erreichen hatten. Gerade unsere Abteilungsleiterin, die gerade erst hierher umgezogen war und mit der wir ein recht freundschaftliches Verhältnis pflegten, war einem derartigen Druck ausgeliefert, dass es schon sehr skurile Züge annahm, wie sie pausenlos die Umsatzzahlen am Rechner verfolgte und uns immer wieder anspornte,: “los Mädels, wir brauchen noch 10.000, auf auf…” Alles stürzte sich auf die Kunden wie in einem Staffellauf, es war derartig absurd das ganze. Man musste ja auch pausenlos Ware auspacken und verräumen, sodass einem kaum Zeit blieb, sich überhaupt noch um irgendwelche Kunden und deren Geldbeutel kümmern zu können.

    Kurz nachdem ich gegangen war, musste auch besagte Abteilungleiterin wieder ihre Koffer packen und nach Stuttgart umziehen, wo wieder ein Möbelhaus geschluckt worden war, um die alten Mitarbeiter dort auf Kurs zu bringen bzw. auszutauschen, sollten sie mit der neuen “Firmenphilosophie” nicht klar kommen… Ich kann nur hoffen, dass auch sie mittlerweile irgendwo anders untergekommen ist. Allerdings meinte sie, diese Praxis wäre bspw. auch in den großen Kaufhäusern gängige Praxis.

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