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	<title>Kommentare zu: Eine Leser-Mail zu meinem Aufsatz von gestern wider Sloterdijk</title>
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	<description>Der kritische Blog von Klaus Baum</description>
	<lastBuildDate>Thu, 09 Sep 2010 11:11:11 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Von: Tim</title>
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		<dc:creator>Tim</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Nov 2009 01:56:22 +0000</pubDate>
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		<description>Ja, jetzt wird es in der Tat noch etwas deutlicher, nicht nur durch die Lesermail, auch durch deinen Nachtrag. Ich will es selbst auch nochmal versuchen auf wenige Sätze zu destillieren, hätte ich gestern schon tun sollen:

Manche Passagen in Sloterdijks Ausgangstext in der FAZ (und deren philosophische Herleitung) klingen, als ginge es ihm um eine ganzheitliche persönliche Entwicklung des Einzelnen, einen geistig/sozio-kulturellen Fortschritt oder schlicht gesagt: Die Selbstverwirklichung des Menschen. Genau das ist aber nicht der Fall. Ganz im Gegenteil: Es geht ihm lediglich um ganz profanen wirtschaftl. Gewinn. Ob als Unternehmer oder Lohnabhängiger lässt er (vorerst?) noch dahingestellt. Und dabei denkt er noch nicht mal an die sog. &quot;Wohlfahrtsgewinne&quot; - also verbesserte ökonomische Verhältnisse für die Allgemeinheit (wohl eher eine Aufgabe der Makropolitik) - heute nennen wir das: &quot;Gemeinwohl&quot;. Nein, ihm geht es dabei - wie du richtig sagst - um das &quot;Rat-Race&quot;. &quot;Survival of the Fittest&quot; ist dafür die exakt richtige Konnotation. Es ist das typisch neoliberale &quot;Rat-Race to the bottom&quot;, dass wir aus dem internationalen Wettbewerb kennen. Erstaunlicherweise gewinnt damit eine Ideologie die Meinungsführerschaft, die entgegen (fast) aller gesellschaftlichen Anstrengungen der letzten Jahrhunderte (einschließlich der Philosophie) nicht Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und sozialen Fortschritt zum Ziel hat, sondern ganz ordinären Eigennutz. Irrsinnigerweise führt das auch noch zu einer Art Rückentwicklung des Menschen: Auf geistig-moralischer Ebene genauso wie auf der Ökonomischen. Und das ist der Witz an der Sache: Die moderne Wirtschaftsideologie ist eine der widersinnigsten aller Zeiten, da sie Wohlfahrtsverluste produziert und dadurch das Mittel mit dem Zweck verwechselt. 

(Jetzt hab ich doch ein vielfaches mehr geschrieben als ich eiegntlich wollte. Naja, wenn man einmal angefangen hat...)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ja, jetzt wird es in der Tat noch etwas deutlicher, nicht nur durch die Lesermail, auch durch deinen Nachtrag. Ich will es selbst auch nochmal versuchen auf wenige Sätze zu destillieren, hätte ich gestern schon tun sollen:</p>
<p>Manche Passagen in Sloterdijks Ausgangstext in der FAZ (und deren philosophische Herleitung) klingen, als ginge es ihm um eine ganzheitliche persönliche Entwicklung des Einzelnen, einen geistig/sozio-kulturellen Fortschritt oder schlicht gesagt: Die Selbstverwirklichung des Menschen. Genau das ist aber nicht der Fall. Ganz im Gegenteil: Es geht ihm lediglich um ganz profanen wirtschaftl. Gewinn. Ob als Unternehmer oder Lohnabhängiger lässt er (vorerst?) noch dahingestellt. Und dabei denkt er noch nicht mal an die sog. &#8220;Wohlfahrtsgewinne&#8221; &#8211; also verbesserte ökonomische Verhältnisse für die Allgemeinheit (wohl eher eine Aufgabe der Makropolitik) &#8211; heute nennen wir das: &#8220;Gemeinwohl&#8221;. Nein, ihm geht es dabei &#8211; wie du richtig sagst &#8211; um das &#8220;Rat-Race&#8221;. &#8220;Survival of the Fittest&#8221; ist dafür die exakt richtige Konnotation. Es ist das typisch neoliberale &#8220;Rat-Race to the bottom&#8221;, dass wir aus dem internationalen Wettbewerb kennen. Erstaunlicherweise gewinnt damit eine Ideologie die Meinungsführerschaft, die entgegen (fast) aller gesellschaftlichen Anstrengungen der letzten Jahrhunderte (einschließlich der Philosophie) nicht Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und sozialen Fortschritt zum Ziel hat, sondern ganz ordinären Eigennutz. Irrsinnigerweise führt das auch noch zu einer Art Rückentwicklung des Menschen: Auf geistig-moralischer Ebene genauso wie auf der Ökonomischen. Und das ist der Witz an der Sache: Die moderne Wirtschaftsideologie ist eine der widersinnigsten aller Zeiten, da sie Wohlfahrtsverluste produziert und dadurch das Mittel mit dem Zweck verwechselt. </p>
<p>(Jetzt hab ich doch ein vielfaches mehr geschrieben als ich eiegntlich wollte. Naja, wenn man einmal angefangen hat&#8230;)</p>
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