Beitrag von Ernst Otte:
DIE ZUKUNFT DER LINKEN
Doch, Siege sind möglich
In der ZEIT zerbricht man sich gerne den Kopf um die Zukunft der europäischen Linken. Gegenwärtig ist dazu ein Statement aus der Perspektive eines sog. amerikanischen Think Tanks abgedruckt. Dies soll offenbar die gegenwärtig starke Neigung der Linken zu depressiven Verstimmungen bekämpfen:
http://www.zeit.de/2009/48/op-ed-Teixeira
Dazu mein Kommentar, den ich gerade der ZEIT geschickt habe (ich habe ja sonst nichts zu tun):
DENK POSITIV UND FRAGE NICHT
Der Blick aus der Perspektive des Think Tanks der amerikanischen „Demokraten“ auf Modernisierunsprozesse und demographische Veränderungen in Europa ist vielleicht ein bisschen euphorisch ausgefallen. Ehe wir anfangen, diesen Marsch in eine „progessive“ Zukunft Seit an Seit mit den neuen Generationen und Dienstleistern zu gehen, müssen wir natürlich fragen, wieviele auf diesem Weg folgen können bzw. mitgehen dürfen. Wenn der gegenwärtige, von der europäischen Sozialdemokratie forcierte politische Trend sich fortsetzt, dann zeichnet sich das Bild einer „progressiven“ Gesellschaft ab, die mehr als ein Drittel der potentiell Erwerbstätigen in Minijobs und Transfersysteme abdrängt und marginalisieren möchte.
Das Erstaunliche der Think Tanks made in USA ist die gute Laune, das lockere Vokabular und das fabelhafte Erzählen: der Himmel ist blau, die Leute gut drauf, die Zukunft rosig. Die Verteilungsfrage wird nicht gestellt, ob unseren progressiven Gesellschaften die Arbeit ausgehen könnte, verdirbt die gute Laune und wie die Leute gebändigt werden sollen, die im Handumdrehen Milliarden verbrennen – Schwamm drüber. Aber dass die Think Tanks aus der Schule der „Chicago Boys“ der europäischen “Linken” eine Zukunft versprechen, ist einfach rührend. “Links” ist in der Wahrnehmung der Chicago Boys allerdings nur der politische Horizont von Blair und Schröder. Was sonst in Europa noch links sein könnte, ist vermutlich eher etwas für ein progressives Guantanamo.

2 Antworten so far ↓
1 Frank Benedikt // Nov 22, 2009 at 3:39 pm
Sorry, aber da verstehe ich Deine Kritik (bzw. deren “Aufhänger”) nicht. Es wird “uns” doch ein hübscher linker Trend attestiert und selbst in den Staaten scheint was voranzukommen, was ist da Dein Punkt?
Über den Terminus “Sozialdemokraten” können wir vermutlich nur grinsen, aber ansonsten bewegt sich doch tatsächlich was, denn die Linke scheint aus ihrem langen Winterschlaf zu erwachen.
Schönen Sonntag
Frank
2 antiferengi // Nov 22, 2009 at 9:23 pm
Wenn Think-Tanks, welche gar nichts anderes sind als ein Produkt der neoliberalen Marktkultur, sich jetzt auch noch der Linken annehmen, – und Leute anfangen sich diesem Gewäsch anzuschließen. – Dann haben wir verloren.
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