Ich erlaube mir hier zunächst, Hartmut Finkeldey zu zitieren:
>>Genova macht auf diesen Kurzkommentar Tanja Dückers aufmerksam. Natürlich unterschreibe ich, bin aber auch ein wenig pikiert. Denn was die Mainstreammedien jetzt, ansatzweise, bringen, war jedem, der wissen wollte, seit Jahren bekannt. Surfen Sie mal durch meine Blogroll…
Wie auch immer, was Dückers über die schlicht schamlose Selbstbescheibung der derzeitgen Herrschaftsschicht feststellt, stimmt natürlich. Es ist so unverschämt wie selbstentlarvend. Insbesondere die Parallelen etwa zur Macht- und Funktionselite des Kaiserreichs, nämlich das lustvoll-laute Beschwören des Rechts der Sieger und die ungeheure Agressivität, mit der man auf Unterlegene zugeht und sie unter die Stiefel nimmt, finde ich bestürzend. Hier geht es nicht nur um Stil. Sicher, die Larmoyanz eines Sloterdijk ist allein schon ästhetisch ausgesprochen peinlich. Aber wenn die Herrschaftsschicht, zwischen zwei Schlücken Edel-Chianti, darüber schwadroniert, wie entsetzlich ihr zB vom “überbordenden” Sozialstaat doch mitgespielt werde (es steht zu befürchten, dass die das Ernst meinen!), dann ist das vor allem auch eine hemmungslose Absage an die Realität. Mit allen Folgen, die das zeitigt.<<
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2009-11/schwarzgelb-zeitgeist?page=all
Man sieht auf dieser ZEIT-Seite Joop mit Westerwelle. Ich hatte Ende des letzten Jahrhunderts eine Joop-Jeans erstanden. Qualitativ war das der letzte Mist. Auf dem Ladentisch sah sie noch glatt aus, aber nach einem Tag warf sie derart viel Falten, das sie nicht mehr zu gebrauchen war. Der Ladeninhaber in Heide war im Stadtparlament als ein Vertreter der CDU, und er war ein im traditionellen Sinne ehrenwerter Kaufmann, der sich bei der Firma Joop um einen Umtausch bemühte, allerdings ohne Erfolg. Kunstlichtüberbräunte haben eben keinen Charakter. Und da wir gerade über die FDP reden, hier ein sprachlich gelungener Artikel von flatter = feynsinn:
>>FDP: So komisch ist Kapitalismus
Marktfreiheit, Ungleichheit, Eigentumkeit, die drei Leitblödheiten der großbürgerlichen Restauration, durchmiefen den Restgeist der Friedhofswärter des Liberalismus. “Freiheit”, das bedeutet für die einen die Befreiung ihrer Lebenswelt vom Pöbel, für die anderen die Befreiung von ihren Rechten und ihrer Existenzgrundlage. Freiheit als Eigentum meint in bezug auf Wohnraum zum Beispiel, daß man so viel wie möglich davon besitzen und so wenig wie möglich bewohnen kann. Eine Wohnung nicht zu benutzen, ist gleiches Recht für alle. Die es sich leisten können, haben es eben und stellen nicht den Anspruch, sich in all ihren Immobilien abends ins Bett zu legen. Die es sich nicht leisten können, müssen ihr Bett halt unter freien Himmel beziehen. Freier geht es doch gar nicht.<<
Mehr von feynsinn hier:
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PS.: Da Tanja Dückers auch Norbert Bolz erwähnt – “Arbeitsmarktstrukturelle Argumente finden sich nicht bei Bolz oder dem medial omnipräsenten Philosophen Peter Sloterdijk.” -, hier noch eine Anmerkung: Als ich Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre die Dissertation von Bolz über Adorno versuchte zu lesen, fiel auf, dass Bolz die Seiten seiner Arbeit vollgestopft hatte mit Zitaten, das heißt, das Buch war eine reine Zitaten-Collage, in der kein einziger Satz eigenständig analysiert und durchreflektiert war. Das ist das wahre Leistungsträgertum, für das auch die Jeans von Joop steht: Nichts als Fassade.

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